„… Meine Damen und Herren,
sehr geehrte Schwule,
sehr geehrte Lesben,
sehr geehrte Androgyne,
sehr geehrte Bi-Gender,
sehr geehrte Frau-zu-Mann und
sehr geehrte Mann-zu-Frau,
sehr geehrte Gendervariable,
sehr geehrte Genderqueer,
sehr geehrte Intersexuelle,
sehr geehrte Weder-noch-Geschlechter,
sehr geehrte Geschlechtslose,
sehr geehrte Nicht-Binäre,
sehr geehrte Pangender und Pangeschlechtlichen,
sehr geehrte Transmännliche und Transmänner,
sehr geehrte Transweibliche und Transfrauen,
sehr geehrte Transmenschen,
sehr geehrte Trans mit Stern,
sehr geehrte Transsternweiblich und Transsternfrauen,
sehr geehrte Transsternmännlich und Transsternmänner,
sehr geehrte Transmenschen,
sehr geehrte Transfeminine und,
sehr geehrte Transgender,
sehr geehrte Transgenderweiblich und Transgenderfrau,
sehr geehrte Transgendermännlich und Transgendermann,
sehr geehrte Transgendermenschen,
sehr geehrte Transmaskuline,
sehr geehrte männlich Transsexuelle und
sehr geehrte weiblich Transsexuelle,
sehr geehrte transsexuelle Männer,
sehr geehrte transsexuelle Frauen,
sehr geehrte transsexuelle Personen,
sehr geehrter Interstern weiblich und
sehr geehrte Interstern männlich,
sehr geehrte Interstern-Männer,
sehr geehrte Interstern-Frauen,
sehr geehrte Interstern-Menschen,
sehr geehrte Intergender,
sehr geehrte Intergeschlechtliche,
sehr geehrte Zweigeschlechtlichen und
sehr geehrte Zwitter,
sehr geehrte Hermaphroditen,
sehr geehrte Two-Spirit drittes Geschlecht und
sehr geehrtes viertes Geschlecht,
sehr geehrte X-Y Frauen,
sehr geehrte Butch,
sehr geehrte Femen,
sehr geehrte Drag,
sehr geehrte Transvestiten,
sehr geehrter Crossgender,
sehr geehrtes Nullgeschlecht und natürlich auch ganz herzlich
die sehr geehrten sonstigen Geschlechter,
sehr geehrter Unterstrichbader und
sehr geehrter Unterstrichmuß, …“ (Zitat: Steffen Königer, Brandenburg 09.06.2016),

ich respektiere Sie alle und Sie können sich alle nennen, wie Sie möchten, aber bitte seien Sie auch mir gegenüber so tolerant wie Sie oder die Verfechter Ihrer Interessen es von Anderen verlangen! Es gibt Gott sei Dank noch kein Gesetz, das einen zum Gendern zwingt und das soll bitte auch so bleiben, denn dass so etwas, wie es dort oben in der Anrede von einem Politiker auf die Spitze getrieben wurde, zu weit geht, kann Jeder nachvollziehen, oder? In den Medien, vor Allem im TV und den sozialen Medien, in Gerichten und Behörden, Staatsanwaltschaften, Schulen, Gerichten und vielen Jobanzeigen wird so selbstverständlich gegendert, dass einem suggeriert wird, dies sei heutzutage der Standard und gehöre zum guten Ton, von diversen Empfehlungen und Leitfäden zu dem Thema ganz abgesehen. Da muss ich mich ja schon schlecht fühlen, weil ich einige der oben genannten Geschlechter gar nicht kenne. Ich bin mir bei ein paar Bezeichnungen noch nicht einmal sicher, ob ich sie richtig geschrieben habe. Diese lange Anrede ist natürlich leicht überspitzt, aber es fängt ja schon beim Gendersternchen und der dazugehörigen Sprechpause an.

Gendern behindert mich beim Lesen und Zuhören und ich lese und höre eigentlich sehr gut. Ältere Menschen kommen bei den ganzen Anglizismen schon nicht mehr mit und sollen sich dann noch mit diesen ganzen neuen Pronomen und weiteren Sprachvergewaltigungen befassen? Ex, they, -ens? Muss man jetzt wirklich wegen einer Minderheit bzw. vielen Mini-Minderheiten, von denen es gefühlt jeden Tag wieder Neue gibt, die deutsche Sprache komplett überarbeiten und es allen Menschen unnötig schwer machen? Menschen, die schlimme Zeiten, Kriege usw. durchgemacht haben, fragen sich zu Recht, ob wir denn keine wichtigeren Probleme haben. Die meisten haben wenig Verständnis für so einen Nonsens, darunter auch Heino, der findet, Leuten, die so etwas wollen, habe man ins Gehirn geschissen. Daraufhin muss er sich Rassismus- und Sexismusvorwürfe gefallen lassen. Sind wir denn noch zu retten? Auch hier hat ihm die Mehrheit beigepflichtet, die Minderheit, die das anders sah und eine Riesendebatte angestoßen hat, war aber – wie immer – lauter.
Ich als Übersetzerin, die sich gerne mit Sprache beschäftigt, habe schon keinen Bock auf Gendern und eigene Pronomen für alle möglichen Sonderfälle. Wie sollen Andere dann erst Bock darauf haben? Und wie sollen Menschen, die Deutsch als Fremdsprache lernen, da noch mitkommen? Die Anzahl der Menschen, denen das Gendern Schwierigkeiten bereitet oder bereiten könnte, beträgt mehrere Millionen. Was glauben Sie, wie viele Meschen es gibt, für die diese ganzen neuen Bezeichnungen erfunden wurden oder werden? Das steht in keinem Verhältnis! Leider trauen sich nur sehr wenige, sich öffentlich gegen das Gendern zu stellen, umso mehr sollte man Menschen wie Heino, Hape Kerkeling oder Dieter Hallervorden feiern und unterstützen, die sich den Mund nicht verbieten lassen! Auch ich rechne mit Gegenwind, denn ich vertrete hier eine Meinung, die auch die böse, böse AfD vertritt und wer so etwas tut, ist automatisch rechtsextrem und ein ganz schlechter Mensch, nicht wahr?
Ich glaube außerdem fest daran, dass die, die solche Extrawürste fordern oder mit diesen neuen Bezeichnungen gemeint sind, dadurch nicht mehr Akzeptanz bekommen, sondern weniger. Diese Menschen werden weniger ernst genommen und durch diese ganze Debatte ins Lächerliche gezogen. Wer sie vorher nicht ernst genommen hat, nimmt sie jetzt noch weniger ernst.

Viele, viele Jahre hat die deutsche Sprache wunderbar ohne diese Extrawürste funktioniert, es hat kein Hahn danach gekräht. Was hat man plötzlich gegen das generische Maskulinum, das alle Geschlechter einschließt und nicht das biologische Geschlecht anzeigt? Ich habe mich mit „Liebe Zuschauer“ immer mit angesprochen gefühlt. Ich brauchte keine explizit weibliche Form, da „Zuschauer“ die generische Form ist, nicht die männliche. Was ist daran so schwer zu verstehen? Selbst ein eloquenter und weltoffener Mann wie Hape Kerkeling findet es befremdlich, überall *innen dran zu hängen. Ich persönlich finde „Zuschauer und Zuschauerinnen“, wenn man dies nicht ständig wiederholt, sehr viel ohrenfreundlicher als „Zuschauer*innen“; wir machen es uns oft schwerer, als es sein müsste und das nur, um es bloß allen recht zu machen, vor Allem wir bösen Deutschen, so als müssten alle nachfolgenden Generationen bis in alle Ewigkeit für etwas büßen, das sie selber gar nicht verbrochen haben.
Ich habe nichts gegen Menschen mit unterschiedlicher Sexualität, nicht-herkömmlicher oder unklarer Geschlechtszuordnung oder sonstigen Auffälligkeiten, solange meine Mitmenschen und ich uns dafür nicht mit absurden Wortneuschöpfungen herumschlagen müssen oder noch mehr als ohnehin schon aufpassen müssen, was wir sagen. Diskriminierungsfreiheit und Gleichstellung sind mir wichtig und trotzdem oder gerade deswegen lasse ich mir diesen Genderwahnsinn nicht aufzwängen, denn das generische Maskulinum, in dem das Geschlecht keine Rolle spielt, ist für mich weniger sexistisch, als wenn ich jederzeit, auch wenn es gerade nichts zur Sache tut, angeben muss, ob es sich um einen Zahnarzt oder eine Zahnärztin, um den Metzger oder die Metzgerin handelt. Und hat eigentlich schonmal jemand an Menschen mit Seh-, Lese- oder Hörschwäche oder auch an kognitiv eingeschränkte Menschen gedacht? (Denk doch mal einer an die Grünen!) Diese werden durch diese immer komplizierter werdende Sprache benachteiligt. Sie werden diskriminiert! Die sogenannte diskriminierungsfreie Sprache erreicht also genau das Gegenteil von dem, was sie bezwecken soll. Wenn es schon Leitfäden für diskriminierungsfreie Sprache geben muss, läuft doch schon etwas falsch. Dann hat das Ganze mit kleineren Umstellungen nichts mehr zu tun.
Wenn ich Gendern tolerieren soll, möchte ich auch, dass toleriert wird, wenn ich nicht gendere, denn Toleranz ist keine Einbahnstraße! Mit meinem Nicht-Gendern möchte ich niemanden beleidigen oder ausgrenzen. Wenn der enge Freundeskreis einer Person, die sich weder als männlich oder weiblich definiert oder Sonstiges, das gerne mitmachen möchte, OK. Vielleicht würde ich es auch probieren, wenn ich eine solche Person zu meinen Freunden zählen würde, aber muss sich jetzt wirklich eine komplette Gesellschaft wegen einer bzw. mehreren Minderheiten umstellen? Das war mal andersrum. Wann und warum wurde das umgedreht? Ganz abgesehen von der Umstellung der Gewohnheiten kostet der ganze Spaß auch sehr viel Geld: Formulare und andere Schriftstücke müssten geändert werden, Straßenschilder (z. B. Radfahrer absteigen) müssten erneuert werden, Vereinigungen müssten eine Namensänderung vornehmen, z. B. von „Studentenwerk“ in „Studierendenwerk“, es gäbe Workshops, Fortbildungen und noch so viel mehr. All das beinhaltet Bürokratie und hohe Kosten. Das Geld fehlt dann wiederum für Wichtigeres. Als würde unser Geld nicht sowieso schon für genug Dinge aus dem Fenster geworfen, die die Mehrheit der Deutschen gar nicht will…
